Interview mit Steve Jenkins und Derek Walter, den Vätern von Esther the Wonder Pig

Wer ist Esther? Esther ist ein berühmter Social Media-Star – und ein Schwein, ein Wunderschwein. Derek Walter und Steve Jenkins haben sie adoptiert und seitdem viel Aufregendes erlebt. boutique vegan hatte die große Chance, Esthers Dads auf der The End of Meat-Konferenz in Berlin zu interviewen.

boutique vegan:
Wie hat Euch der Film “The End of Meat” gefallen?

Steve:
Er hatte viele tolle Diskussionsansätze.

Derek:
Die Art und Weise der Darstellung war gut anzuschauen.

Steve:
Ja, wirklich, ich finde er wurde sehr schön zusammengestellt.

Derek:
Ich mag grausame Szenen nicht. Und mit vielen solcher Szenen habe ich gerechnet. Das wäre schwer für mich gewesen. Aber die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen, war genauso schwierig für mich, weil das natürlich nicht so üblich ist wie [die Tiere in] Schlachthäuser[n].

boutique vegan:
Dadurch wollen die Leute ihn dann sehen. Wird Esther den Film angucken? (Lachen)

Steve:
Ja, sie liebt Fernsehen! Sie guckt ständig Filme. Ganz egal, ob sie auf den Film achtet, aber sie tut’s. (Lachen)

boutique vegan:
Was ist ihr Lieblingsfilm?

Steve:
Ich weiß nicht, ob Sie einen Lieblingsfilm hat. (Lachen)

Derek:
Die Schweine mögen nichts, was zu ernst ist. Also alles mit ernster Musik. Aber alles, was lustig ist, gucken sie sich definitiv an. Sie verstehen nicht, was in der Story passiert, aber sehen, wie die Bilder sich ändern.

boutique vegan:
Sie können also die allgemeine Stimmung wahrnehmen, nicht wahr? Zum Beispiel fröhliche Musik und so…

Derek:
Ja, sowas wie Lachen und so weiter.


boutique vegan:
Könntet Ihr uns erzählen, wie Esther in Euer Leben kam?

Derek:
Steve bekam eines Tages eine Facebook-Nachricht von einer Freundin eines Freundes. Diese sagte, dass sie da eine Minischwein habe, das 6 Monate alt sei. Das Schwein war sterilisiert und kam nicht mit seiner Familie zurecht. Die Freundin hatte Hunde und hatte selbst ein menschliches Baby zur Welt gebracht. Und sie kamen nicht miteinander zurecht. Sie musste es daher abgeben. Also hat Steve –ohne es mit mir zu besprechen– das Schwein abgeholt und es nach Hause gebracht. (Lachen)

boutique vegan:
Das kann ich total verstehen! (Lachen)

Derek:
Sie war so klein – ungefähr die Größe eines Schuhs. Also so klein, dass zwei von ihr in einen Schuhkarton gepasst hätten. Und uns wurde erneut gesagt, dass sie 6 Monate alt sei und sie ausgewachsen nicht größer werden würde als 70 Pfund [Anmerkung der Redaktion: ca. 32 Kilo] – das ist ungefähr die Größe eines kleinen Hundes. Nach ungefähr 2 ½ Monaten hatte sie die 70 Pfund erreicht und ist weiter gewachsen und gewachsen. (Lachen) Und jetzt hat sie 650 Pfund [Anmerkung der Redaktion: ca. 295 Kilo]. Aber bevor wir realisiert haben, was da passierte, haben wir uns schon in sie verliebt. Und da sie Teil der Familie war, mussten wir uns dann arrangieren, um sie entsprechend unterbringen zu können.

boutique vegan:
Hat sie ein Lieblingsessen? Und ist sie vegan?

Steve:
Ja, vollkommen! Ist sie! Ihr Lieblingsessen ist wahrscheinlich Wassermelonen und Mangos. Sie liebt auch Cupcakes – aber alle lieben Cupcakes! (Lachen)

Derek:
Cupcakes nur in Maßen.

Steve:
Aber ja, ihr Lieblingsessen dürften definitiv Früchte sein.

Derek:
Sie mag keine ungekochten Zwiebeln, ungekochte Kartoffeln oder ungekochte Rüben.

Steve:
Das selbe Zeug, das auch sonst keiner mag!

Derek:
Ein Schwein isst nicht einfach alles! Es gibt da diesen Irrtum, der besagt, dass Schweine alles essen, ganz egal, was es ist. Aber das ist vollkommen falsch! Wenn Du 6 Schweine mit nur einer einzigen Schale hast – was dem einen nicht gefällt, isst dann wer anders. Aber wenn Du sie an 6 unterschiedliche Orte bringst und jedes bekommt seine eigene Schale – dann werden Sie Sachen übrig lassen, die sie nicht mögen. Sie denken dann: „Oh, ich mag keinen Kohl“ oder „Das und das mag ich nicht.“. Und manchmal motiviert Essen sie nicht etwas zu tun.

boutique vegan:
Also kannst Du sie nicht austricksen… (Lachen)

Derek:
Sie sind dann so: “Wir wissen ganz genau, dass morgen wieder etwas zum Essen kommt!”. (Lachen) Essen ist nicht mehr so motivierend für sie.

boutique vegan:
Esther vertraut Euch! Toll, oder?

Derek:
Genau!

boutique vegan:
Wie alt ist Esther jetzt?

Steve:
Sie ist im Juli 5 geworden. Also wird sie nächsten Sommer 6.

boutique vegan:
Versteht sie sich gut mit den anderen Tieren und wie interagiert sie mit ihnen?

Steve:
Na klar! Sie versteht sich gut mit ihnen. Aber sie verbringt nicht viel Zeit mit denen, die nicht Teil unserer unmittelbaren Familie sind mit der sie im Haus aufgewachsen ist. Sie streitet sich nicht mit den Schweinen im Stall, aber sie bemüht sich schon darum, ihnen aus dem Weg zu gehen. Also wenn sie zwischen zwei Weiden entlang geht (wir haben da einen 10 Fuß breiten Weg [Anmerkung der Redaktion: ca. 3 Meter]), wird sie zum entgegengesetzten Zaun gehen, bei dem die Schweine sind. Also geht sie vermutlich immer so weit entfernt von ihnen den Hügel runter wie sie kann.

Also solche Kleinigkeiten sind das. Oder wenn sie zu nah zum Zaun kommen, quietscht sie kurz und rennt weg. Sie ist sehr offensichtlich eingeschüchtert. Ich weiß nicht, ob sie Angst hat oder nur nervös ist, aber sie will mit den Schweinen des Stalls nichts zu tun haben. Wisst Ihr, die einzigen, die sie wirklich mag sind wir und die Hunde und Katzen und Vögel. Aber alles, was größer als ein mittelgroßer Hund ist, schüchtert Esther ein.

boutique vegan:
Ich verstehe!

Derek:
Wir haben ein Rudel kreiert. Wisst ihr, wir haben auf der Farm Rudel und Völker. Unser Rudel besteht aus: Mir, Steven, die Katzen, die Hunde und manchmal auch unserem Babysitter. Hätten wir einen Babysitter, der nicht Teil des Rudels wäre, dann könnten wir gar nicht weggehen. Esther bewacht nämlich das Haus, besonders vor unbekannten Männern. Sie verhält sich irgendwie unfair gegenüber jeder männlichen Person, die zur Farm kommt.

boutique vegan:
Offensichtlich liebt sie Euch und will Euch beschützen! Was ist das Lustigste, was Esther macht?

Derek:
Das Lustigste, was sie macht? Das ist schwierig. Ich meine, sie ist einfach sehr lustig.

Steve:
Wenn sie am Fenster vorbei läuft!

Derek:
Ich denke das Lustigste ist ihre Persönlichkeit: Dass sie manche Personen liebt und nicht unbedingt jeden mag. Das finde ich lustig – nein – „lustig“ ist nicht das richtige Wort. Es amüsiert mich.

Weil es zeigt, was in ihrem Kopf passiert und, dass sie einen Geist besitzt. Esther ist sehr nachdenklich und hat ein reges Bewusstsein und denkt darüber nach, ob sie Dich mag oder nicht mag, darüber, was sie machen möchte … Ich denke also, dass für mich das Lustigste ihr genereller Umgang mit den Menschen ist. So wie sie sich verhält, ist es für sie ein Unterschied, ob sie es mit einem kleinen Menschen, einem Hund oder einer Katze zu tun hat. Sie hat ihren eigenen Kopf. Ich meine, den haben auch die Hunde, aber Schweine bis zu einem anderen Grad. Du kannst sie fragen, ob sie etwas macht und Esther wird darüber nachdenken, ob sie das möchte oder nicht und nicht einfach so antworten wie ich es vorgebe.

Wenn wir sie um einen Sparziergang bitten, dann schaut sie raus und denkt über das Wetter und die Tageszeit nach und sagt „Nein.“ und „Wann gibt’s Abendessen?“. Das ist ein ganzer Prozess an Gedanken und sie ist dabei konzentriert. Sie denkt: „Wo sind die Hunde?“ und zu „Laufen, laufen, laufen.“ ist Stress – ein einseitiges Denken. Da sind viele Gedanken in dem Kopf eines Schweins und das ist es, was ich lustig finde. Es ist nicht eine bestimmte Sache, die wirklich lustig ist. Es ist ihre allgemeine Persönlichkeit die ich urkomisch und sehr lustig finde.

Steve:
Und ihre Augen! Sie hat ein wirklich weites Blickfeld, fast eine 270 Grad-Sicht. Wenn sie Dich also so seitlich ansieht, ist es fast so, als würde sie hinter dich gucken. Das ist großartig!

boutique vegan:
Vielleicht ist das auch ein bisschen gruselig, so wie: “Oh Gott! Sie sieht mich schon wieder an!”. (Lachen)

Derek:
Definitiv! Sie beobachtet Dich ständig!

 

boutique vegan:
Bekommt Esther viel Post?

Steve:
Ja! Esther bekommt mehr Post als der Weihnachtsmann! Es ist beeindruckend. Und sie bekommt Post aus der ganzen Welt. Neulich haben wir einen Brief auf dem Iran bekommen.

Derek:
Einen Einschreibebrief aus dem Iran!

Steve:
Ja, jemand hat uns aus dem Iran geschrieben. Es ist fantastisch, wie weit ihre Reichweite geworden ist. Natürlich haben wir von vielen Orten auf der Welt schon einmal gehört, aber wir hätten nie gedacht von dort Nachrichten zu erhalten. Diese Leute folgen auf Social Media einem Schwein aus Ontario, Kanada! Es ist wirklich phänomenal, wie bekannt sie ist.

boutique vegan:
Ich finde es wirklich toll, dass Ihr nicht einfach nur rein Tier zeigt, dass lustig ist, sondern das alles auch für die gute Sache macht. Das ist großartig! Respekt!

Steve & Derek:
Vielen Dank!

boutique vegan:
Wir freuen uns auch sehr, dass Ihr einen Lebenshof gegründet habt, um noch mehr Tieren zu helfen.

Derek:
Uns wurde einfach eine wirklich einzigartige Möglichkeit gegeben. Wir haben das nicht geplant. Ich meine, wir haben uns nicht hingesetzt und gesagt: „So, jetzt machen wir mal eine Facebook-Seite und machen dies und das!“ … Es ist einfach passiert! Als das Ganze dann wuchs und die Dinge sich änderten, haben wir nicht „Nein“ gesagt. Was hätten wir sonst tun sollen?

Steve:
Aber ich denke deswegen ist es wie es ist. Wir haben nicht versucht etwas zu erzwingen und wir haben nicht versucht etwas Bestimmtes zu machen. Wir haben zugelassen, dass es sich natürlich entwickelt und als wir dann realisierten, was es geworden war, waren wir klug genug, um es dabei zu belassen. Wir verändern es nicht zu etwas, was es nicht ist.

Wir haben uns gedacht: „Wow, wir sprechen zu der ganzen Welt! Versuchen wir doch die vegane Message zu verbreiten, weil es so aussieht als würde die Page eine vegane werden.“. Und dann sahen wir die negativen Diskussionen, die kamen und das hat für uns keinen Sinn ergeben. Das schien nicht der richtige Weg zu sein, um zu helfen und positive Veränderung zu ermöglichen – denn wir haben nur die Leute erreicht, die schon so fühlten wie wir.

Derek:
Du kannst den ganzen Tag lang rufen: „Weiter so! Das ist großartig.“, richtig? Aber um wirkliches Engagement zu erzeugen und, damit sie Dir zuhören…

Steve:
…musst Du Deine Komfortzone verlassen! Ich denke es ist für Veganer schwierig ihre eigene Blase zu verlassen. Und das verstehe ich auch. Ich verstehe diese Emotionen und die Leidenschaft. Da steckt eine Menge dahinter. Aber Du musst Deine Komfortzone einfach verlassen, um Dich mit den Leuten auseinander zu setzen.

Derek:
Wir versuchen [Anmerkung der Redaktion: durch unseren Veganismus] jeden Tag möglichst wenig Leid zu verursachen und vorwärts zu gehen.

boutique vegan:
Ich kann mir vorstellen, dass Eure Social Media-Arbeit aufregend ist und Euch Spaß macht.

Derek:
Ja, wir haben auch immer noch Spaß, was denke ich wichtig ist. Ihr wisst, was ich meine: Es ist natürlich schwierig diese imaginäre Welt voll Spaß und Freude aufzubauen, wenn Du nicht selber Spaß dabei empfindest. Ganz ehrlich: Esther bringt mich jeden Tag zum Lachen. Also ist es für uns auch nicht schwierig jeden Tag neue Inhalte und Texte dazu zu erstellen – weil genau so ist es mit ihr zusammen zu leben. Sie ist wirklich wie eine kleine Diva. Das ist sehr lustig!

 

 boutique vegan:
Euer Leben ist wahrscheinlich nicht immer lustig. Ihr geht bestimmt auch mal durch schwierige Zeiten. Esther hilft Euch durch diese Zeiten sicherlich hindurch, oder?

Steve:
Ja, natürlich. Das wirklich Schwierigste ist es für mich ohnehin zu wissen, was sonst noch hinter verschlossenen Türen geschieht. Das ist der Grund, warum wir vegan sind. Wir wissen, was da passiert [Anmerkung der Redaktion: Schlachtungen] und das hat mich härter getroffen als ich es mir je hätte vorstellen können. Weil, wenn ich diese Videos sehe – auch gestern Abend [Anmerkung der Redaktion: Filmpremiere von „The End of Meat“] –, muss ich mir die Ohren zuhalten und meinen Kopf senken, einfach wegen diesem Lärm.

Derek:
Im Film. Da haben Schweine geschrien.

Steve:
Es waren diese Geräusche. Die Leute verstehen nicht, dass Schweine eine Stimme haben. Schweine haben ihre eigene Sprache. Ich kann ohne den kleinsten Zweifel sagen, dass Esther noch nie solche Laute von sich gegeben hat. Ich weiß also, dass diese Laute pure Todesangst ist, die da aus den Schweinen herausbricht. Das sind keine Schweine, die einfach nur quieken uns miteinander kommunizieren, denn so klingen sie nicht.

Derek:
Sie sprechen nicht miteinander, sie schreien.

Steve:
Diese Laute sind für mich erschütternd. Das sind denke ich die Momente in denen ich mich am stärksten aufrege und unsere härtesten Tage. Immer dann, wenn wir mit so etwas konfrontiert werden; von Zeit zu Zeit.

Das werden wir sowieso, weil Derek und ich auf Social Media sind. Das hat auch mit den Aufnahmeanfragen zu tun, die reinkommen [Anmerkung der Redaktion: Anfragen bezüglich der Aufnahme von Tieren für ihren Lebenshof] – wir stehen da vor einer riesigen Aufgabe. Wenn Du zulässt, dass diese Dich verschlingt und Dich von dem ganzen Wahnsinn fertig machen lässt, dann landest Du im Krankenhaus. Weil es schrecklich ist, was passiert.

Für manche Leute werden es die Tiere sein, für manche die Umwelt, für andere wiederum die eigene Gesundheit. Es ist mir egal, warum sie’s machen [Anmerkung der Redaktion: vegan werden]. Wir müssen einfach verstehen auf was sie anspringen, welche Verbindung wir mit ihnen aufbauen können und ihnen diese Informationen liefern. Solange

Solange das Resultat das selbe ist, ist es mir völlig gleichgültig, wie sie dahin kommen. Ich wünschte alle würden es wegen der Tiere machen, aber wenn Du vegan wirst, weil Deine Familie konservativ ist [Anmerkung der Redaktion: und Du vegan wirst, um zu rebellieren] – toll. Es ist mir egal, weil Du trotzdem vegan bist. Also konzentrieren wir uns auf das Endresultat, nicht die momentane Situation. Weil die gegenwärtige Lage ist verdammt angsteinflößend.

Derek:
…und die momentane Situation kann sich auch immer ändern.

Steve:
Kann sie. Sie geht aufs große Wunschziel zu, weil darauf steuern wir zu. (Lachen)

boutique vegan:
Vielleicht dachtet Ihr in Bezug auf Eure Ziele: “Vielleicht werden wir eines Tages bei der Premiere und Konferenz von The End of Meat dabei sein?” (Lachen)

Steve & Derek:
Und hier sind wir!

 

Wir möchten Steve Jenkins und Derek Walter für dieses Interview danken!

Esther the Wonder Pig-Website:
estherthewonderpic.com

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