Interview mit Nina von Berlin Strength, Europas erstem veganen Fitnessstudio

Wer vegan lebt und in einem Fitnessstudio trainiert, stellt fest: Ob lederbezogene Hantelbänke oder unvegane Proteinshakes – tierleidfrei ist ein Gym in der Regel nicht. Ganz anders das Berlin Strength auf dem Berliner RAW-Gelände: Hier ist alles vegan. Wir haben Nina, eine der Mitbegründerinnen, vor Ort zum Interview getroffen – und das Studio bei einem ausgiebigen Training getestet.

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Wie lange gibt es das Studio schon und wie ist es entstanden?

Nina (Berlin Strength):
Aktuell gibt es uns 3,5 Jahre – also im April 2014 haben wir angefangen. Joni (voller Name) und ich haben uns damals angefreundet über die Gastro. Er war Kunde und ich habe in diversen Berliner Restaurants gearbeitet.

So sind wir das erste Mal in Kontakt gekommen. Er hat mir erzählt, dass er ein Gym eröffnen möchte. Da er selbst einen Onlineshop für Sportequipment betreibt, wollte er eine Art Showroom für seine Geräte. Er hat meine Qualitäten in Sachen Management und Stressresistenz gesehen und mich gefragt, ob ich nicht auch Lust darauf hätte. Ich sagte direkt zu. Dann haben wir diese schöne Halle auf dem RAW-Gelände gefunden und es ging los!

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In diesen 3,5 Jahren habt ihr euch schon ganz schön etabliert. Wie geht es weiter?

Nina (Berlin Strength):
Ja, erfolgreich im Sinne von, ‚dass viele Leute uns feiern‘. Für die, die uns geil finden, sind wir das Optimum – aber wir sind jetzt kein großes gewinnbringendes Unternehmen. Dafür sind wir für das, was wir sind einfach zu günstig.

Es war von Anfang an unsere Priorität, so preiswert zu sein. Weil es einfach nicht sein kann, dass nur Gutverdiener in guten Studios trainieren können. Daher haben wir gesagt: „Wir lassen den Preis so gering wie möglich. Aber auch noch so, dass wir kostendeckend arbeiten können.“.

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Ihr seid das erste komplett vegane Fitnessstudio Europas. Welche Besonderheiten gibt es in eurem Studio und was unterscheidet euch von anderen?

Nina (Berlin Strength):
Wir unterscheiden uns schon alleine im Equipment stark von anderen Studios. Wir beziehen unsere Geräte vom Strenghtshop, der ausschließlich veganes Equipment vertreibt. Es gibt kein echtes Leder, es wird auf den Kleber in allen Produkten geachtet und auch bei der Produktion läuft es fair. Außerdem unterscheidet uns, dass alle Snacks und Shakes, die wir verkaufen komplett vegan sind. Selbst bei den Energydrinks und Boostern achten wir stark darauf, dass hier keine tierischen Inhaltstoffe drin sind. All das resultiert daraus, dass das komplette Team auch vegan lebt. Wir stehen da alle zu 100 % dahinter!

Dennoch missionieren wir nicht und zeigen nicht mit dem Finger auf Menschen, die nicht vegan leben – wir möchten mit gutem Beispiel voran gehen und zeigen, dass es vegan sehr gut möglich ist, Kraft und Muskeln aufzubauen. Und das ohne ein ‚barfußlaufender super skinny Ökoveganer‘ sein zu müssen.

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Wir finden es gut, dass ihr den Menschen auf diesem Weg begegnet und durch sportliche Leistung mit gutem Beispiel vorangeht! Was sind denn die häufigsten Fragen, die euch von Omnivoren zu diesem Thema gestellt werden?

Nina (Berlin Strength):
Nun ja, meistens ist es so, dass ein Omnivor sich plötzlich Sorgen um deinen Proteinbedarf macht, sobald er mitbekommt, dass du Veganer bist. Die Frage: „Woher bekommst du eigentlich dein Protein?“, bekomme ich fast täglich zu hören. Im Studio zum Glück eher weniger durch die Akzeptanz der Trainierenden. Aber wenn ich privat unterwegs bin oder wir auf Festen ein Workout zeigen, dann kommt immer wieder diese vorherrschende Frage.

Aber das ist natürlich einfach kompletter Quatsch! Vor allem, was ich mich immer fragen: Was wäre, wenn ich jetzt einfach sagen würde, dass ich nicht vegan lebe und Kraftsport mache? Würde diese Frage dann auch fallen?

Keiner, der hier trainiert – und wir trainieren schon seit einigen Jahren – hat unter irgendeinem Protein- oder irgendeinem anderen Mangel zu leiden!

Wenn man sich nur einen Hauch bewusst ernährt und sich mit Sportlerernährung auseinandersetzt, dann kann man sich superleicht vegan ernähren ohne jegliche Mangelerscheinungen.

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Gibt es dennoch Supplements, die du Sportlern im Allgemeinen empfehlen würdest?

Nina (Berlin Strength):
Ja, klar – zum Beispiel Proteinpulver ist total praktisch. Es macht es einfach leichter auf einen gewissen Proteinsatz am Tag zu kommen, als wenn man das nur durch Lebensmittel machen muss.

Gerade, wenn man eine Diät macht, ist es schwierig auf die angemessene Proteinbilanz zu kommen ohne zu supplementieren. Das macht aber jeder Sportler – weil es die leichteste Möglichkeit ist, schnell an Proteine zu kommen.

Es ist schnell gemacht, du kannst es nach dem Sport schnell trinken und gut ist. Du kannst damit kochen oder sogar backen und deine komplette Nahrung aufwerten.

Man sollte auch die essentiellen Aminosäuren (kurz BCAAs) im Auge behalten – wobei man, wenn man sich bewusst ernährt, auch hier keinen Mangel haben sollte. Wenn man nicht gerade sogenannter ‚Puddingveganer‘ ist und nur Fast Food und Pudding isst, dann hat man da keinerlei Probleme.

Die BCAAs sind gut zur Regeneration und du hast eine längere Ausdauer beim Training.

Ansonsten gibt es auf dem Supplementmarkt nichts, was es nicht gibt. Das hat biophysikalisch sicher alles seine Berechtigung, aber nichts davon ist von 100%iger Notwendigkeit. Dennoch machen Supplements vieles einfacher.

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Viele große Sportler wie Patrik Baboumian trainieren regelmäßig bei euch. Was schätzen Profisportler so an eurem Studio?

Nina (Berlin Strength):
Allgemein die Atmosphere, weil es total offenherzig, freundlich ist und dennoch sehr fokussiert ist. Alleine dadurch selektiert sich das Publikum schon. Wir sind kein schickimicki Fitnessstudio für klassische ‚Discopumper‘, die von der Aufmerksamkeit und ihrem Spiegelbild leben.

Alle unterstützen sich hier gegenseitig ohne dämliches Gepose. Es wird nicht gegafft, sondern geholfen.

Außerdem das Spezial-Equipment – das findet man in dieser Form sonst nirgends, da vieles Spezialanfertigungen sind. Das weiß man als Sportler zu schätzen sobald man ein gewisses Leistungslevel erreicht hat.

Zudem läuft hier abwechslungsreiche, pushende Musik fernab des Mainstreams und wir veranstalten immer wieder Konzerte in unserem Studio.

Und natürlich den ganz besonders netten Service hier nicht zu vergessen. ;)

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Gibt es auch Personen, die in eurem Studio nicht willkommen sind?

Nina (Berlin Strength):
JA! Alle Formen von ‚-ismen‘ – Rassisten (racism), Sexisten (sexism) etc.. Die haben hier alle nichts verloren und da zeigen wir definitiv politisch Flagge.

Wenn sich jemand informieren möchte und aus einer ‚blöden Ecke‘ kommt, sind wir nicht verschlossen und offen für einen Austausch.

Trotzdem sind wir keine Räumlichkeit für politischen Austausch, aber wir möchten denen, die hier trainieren ein angenehmes Umfeld bieten und da hat so etwas einfach nichts verloren!

Und Nicht-Veganer natürlich! :p

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Was war dein verrücktestes Erlebnis im Studio?

Nina (Berlin Strength):
Das war die komplette Anfangszeit und als wir realisiert hatten, was für ein Hype es um unser Studio gibt. Als die ersten Besucher aus Amerika herkamen, nur um hier zu trainieren.

Und auf jeden Fall auch meine erste Begegnung mit Patrik Baboumian, Cornelia Ritzke und Co.. Als veganer ‚Minisportler‘ seine damaligen Idole live zu sehen. Jetzt ist es mittlerweile Alltag und man ist per Du und tauscht Trainingstipps aus. Das Gefühl, dass sie sich gerade unser Studio ausgesucht haben, war echt cool.

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Gibt es noch etwas, das du zum Schluss loswerden möchtest?

Nina (Berlin Strength):
Lasst euch nicht davon beeinflussen, wenn andere euch verurteilen oder ‚komisch‘ finden, weil ihr vegan lebt. Macht euer Ding. Geht mit gutem Beispiel voran und denkt immer daran, dass ihr das Richtige macht!

Wir danken Nina für dieses Interview!

 

Unser Fazit zum Berlin Strength:
Super, dass es ein rein veganes Gym gibt! Es ist ein Studio mit Profi-Ausrüstung, in dem sogar Spitzensportler wie Cornelia Ritzke, Patrik Baboumian oder James Wilks ein und aus gehen.

 

Die Website von Berlin Strength:
https://www.berlinstrength.de

Im Text erwähnt:
Strenghtshop

Anschrift:

Revaler Str. 99
10245 Berlin

 

Bildquelle:
boutique vegan GmbH & Co. KG

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