Interview mit Dr. Mark Post, Erfinder des ersten Hamburgers aus In-vitro-Fleisch

Die gesellschaftliche Debatte über das Für und Wider des Fleischkonsums wächst. In-vitro-Fleisch, auch kultiviertes Fleisch oder „clean meat“ genannt, könnte womöglich ein Lösungsansatz für die damit zusammenhängenden Problematiken sein, besonders in Hinblick auf die Massentierhaltung. Diese Erfindung hat jedoch eine neue Debatte ausgelöst: Neben Menschen, die Hoffnung äußern, gibt es auch kritische Stimmen. boutique vegan hatte die Möglichkeit, Dr. Mark Post zu interviewen. Er hat an der Universität Maastricht die erste In-Vitro-Fleisch-Burgerfrikadelle der Welt kreiert. Diese wurde im August 2013 auf einer Pressekonferenz in London vorgestellt, zubereitet und gegessen.

boutique vegan:
2013 haben Sie und Ihr Team den ersten Hamburger, der in einem Labor aus Rinderstammzellen gezüchtet wurde, vorgestellt. Könnten Sie uns bitte den Prozess der In-vitro-Fleisch-Herstellung erklären?

Dr. Mark Post:
Der Prozess ist ganz einfach. Jedes Tier, jedes Säugetier, hat Stammzellen in seinen Muskeln, die dort sind und darauf warten, das Gewebe zu reparieren, wenn es verletzt ist. Ist es verletzt, dann beginnen sie sich zu teilen und sich stark zu vermehren und bilden so neues Muskelgewebe. Sie können das im Körper tun, aber auch außerhalb von diesem. Was wir tun, ist also folgendes: Wir entnehmen durch eine kleine Biopsie diese Stammzellen und dann lassen wir sie sich vermehren und geben ihnen Anweisungen, um Muskelgewebe zu bilden, der Grundlage für Fleisch.

Dann wiederholen wir den Vorgang für Fettgewebe mit denselben Zellen, denen wir andere Anweisungen geben: nämlich, dass sie Fettgewebe bilden sollen. Und dann geben wir diese in unseren Hamburger.

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boutique vegan:
Damals in 2013 betrug der Preis für den einen Burger 325.000 US-Dollar (ungefähr 258,976 Euro).
Was ist der aktuelle Preis? Wird der Preis zukünftig sinken, sodass er für Durchschnittsverdienende erschwinglich wird?

Dr. Mark Post:
Also der Preis war ein Konzept. Der Preis war ein realer Preis, aber es handelte sich um ein Konzeptprodukt. Nach einer Erhöhung der Produktion, was wir noch nicht getan haben, wird der Preis für einen Burger durchschnittlich 10 Euro betragen. Wenn wir dann die Technik verbessern, was wir tun werden, dann wird der Preis letztlich auf den eines regulären Hamburgers fallen – vielleicht wird er sogar noch niedriger sein.

boutique vegan:
Müssen mögliche Investierende, die das Projekt unterstützen wollen, bestimmte Bedingungen erfüllen? Stellen Sie bestimmte Anforderungen oder sind Sie offen für interessierte Firmen und Leute?

Dr. Mark Post:
Also es muss reguliert werden. Es muss natürlich sicher sein. Die Produktion muss vorhersehbar und kontrolliert ablaufen. Ja, es muss von Regierungen, der EU und von verschiedenen Ländern reguliert werden.

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boutique vegan:
Es können Stammzellen von jedem Rind, also auch zum Beispiel von einem, das auf einem Lebenshof lebt, verwendet werden, richtig?

Dr. Mark Post:
Ja, es können grundsätzlich die Stammzellen jeder Kuh benutzt werden. In meiner Vorstellung werden wir, wenn es erfolgreich ist, sowieso nur so wenige Kühe haben, sodass wir denen ein sehr humanes Leben ermöglichen können. Sie werden nicht in Massennutztierhaltung leben.

boutique vegan:
Müssen Sie Stammzellen der Haut benutzen oder denken Sie, dass es auch möglich wäre, auch andere Zellen zu verwenden [Anmerkung der Redaktion: Während der „The End of Meat“-Konferenz wurde diskutiert, ob es möglich wäre, die Zellen von heruntergefallenen Haaren zu verwenden, sodass eine Tierhaltung überflüssig werden könnte]?

Dr. Mark Post:
Das haben wir noch nicht wirklich untersucht. Möglicherweise können wir andere Stammzellen verwenden, aber wir haben uns das noch nicht genau angesehen.

Die Muskelstammzellen, die wir züchten, sind einfach zu bekommen und machen exakt das, was wir brauchen. Als Kuh spüren Sie nur einen Stich in die Haut. Es ist möglich, dass andere Zellen dasselbe machen und wir untersuchen das. Letztlich könnte es vielleicht möglich sein, Stammzellen auf eine noch harmlosere Art und Weise zu erhalten, aber das wissen wir noch nicht.

Wir danken Dr. Mark Post für das Interview!

 

Die Website der Universität Maastricht zu In-vitro-Fleisch:
https://culturedbeef.org/cultured-meat

 

Bildquellen:
1. & 2. David Parry / PA Wire
3. Maastricht University

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