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Interview mit dem veganen Kraftsportler Patrik Baboumian

Patrik Baboumian kennen in der Veggie- und Kraftsportszene alle. Doch wer ist der „Strongman“ wirklich? Er ist 1,70 m groß, ist fast 130 Kilo schwer und ist somit fast so breit wie hoch. 600 Kilogramm kann er auf seinen Schultern tragen – dafür vertilgt er pro Tag Tausende an Kalorien.

Er sagt von sich selber, dass er mit Widersprüchen nicht zurechtkommt. Gleichzeitig scheint er die Antwort auf viele Stereotype zu sein, die er als Kraftsportler, diplomierter Psychologe und Veganer entkräftet. Wir trafen Patrik und seine Frau Kathy in Wien.

 

boutique vegan:
Es ist viel über dich zu lesen, darunter auch über deine familiären Wurzeln. Mal heißt es, du seist aus Armenien, mal aus dem Iran. Könntest du uns aufklären? Wo liegen deine Wurzeln?

Patrik Baboumian:
(lacht) Ja, ich bin – wie du schon gemerkt hast – sehr kompliziert. Nein, es ist einfach ganz einfach, wenn man es einmal weiß. Ich bin von Natur aus Armenier. Meine Vorfahren sind also Armenier und sind vor zwei Jahrhunderten in den Iran ausgewandert. Ich bin als Armenier im Iran geboren. Mit 7 bin ich dann nach Deutschland gekommen und da dann auch aufgewachsen.

boutique vegan:
Woher kommt deine unglaublich große Faszination für Kraft? Du hast mal gesagt, dass wir in der heutigen Gesellschaft so verkopft sind, dass wir gar nicht mehr wissen, wie wunderbar (physische) Kraft eigentlich ist.

Patrik Baboumian:
Ja, ich empfinde das tatsächlich so. Gerade in Deutschland, dem Land der Dichter und Denker (lacht) ist es ja so, dass wir dem Geistigen, also der mentalen oder auch kulturellen Leistung, einen höheren Wert beimessen als einer physischen Leistung. Letztere ist ja etwas sehr Ursprüngliches, was teilweise sogar als primitiv empfunden wird.

Mich fasziniert alles: Ich möchte sowohl in der geistigen Welt unterwegs sein. Das spiegelt sich beispielsweise an meinem Studium in Psychologie wider, an meinen kulturellen Interessen, die recht vielfältig sind. Mich fasziniert aber eben auch diese ursprüngliche Art in uns. Zumindest biologisch gesehen sind wir ja als Primaten einzuordnen. In unserer kulturellen Welt versuchen wir aber oft den Bezug zum Tier zu negieren, ich finde aber, dass es ein Teil von uns ist, den man kultivieren kann und mit in die Kultur integrieren kann.

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boutique vegan:
Deine Worte spiegeln bereits dein großes Mitgefühl und Respekt für (andere) Tiere wider. Gab es irgendein Schlüsselereignis oder einen Auslöser dafür?

Patrik Baboumian:
Ich hatte schon von klein auf diese Faszination für Tiere. Als Kind hatte ich bereits den Reflex, dass wenn ich ein Tier gesehen habe, das in irgendeiner Weise verletzt war, ich versucht habe, es aufzupäppeln oder zum Tierarzt zu bringen. Als Kind war das leider nicht immer von Erfolg gekrönt. Einige Patienten, oft kleine Vögelchen, habe ich verloren und da flossen Tränen.

Mein Engagement für Tiere hat sich fortgesetzt. Als ich erwachsen war, war ich dann irgendwann an einem Punkt, dass ich mich gefragt habe, warum ich einerseits zur Hilfe eile, sobald ich ein verletztes Tier sehe, andererseits aber weiter Tiere esse. Es gab kein Schlüsselereignis, sondern alles war ein Prozess und am Ende ist mir das eben klargeworden. Ich habe dann für mich entschieden, dass ich diesen Widerspruch nicht haben möchte. Ich bin auch von der Persönlichkeit jemand, der sehr schlecht mit Widersprüchen zurechtkommt und versuche immer, die eben aufzulösen.

Die zentrale Frage für mich war: „Wenn ich ein Tier essen möchte, ob ich es auch töten würde?“. Die Antwort war für mich: „NEIN“. Das war dann eben auch der Punkt, an dem ich gesagt habe, dass wenn ich ganz ehrlich bin, ich es dann auch nicht konsumieren darf.

boutique vegan:
Daraufhin bist du auch zunächst Vegetarier geworden …

Patrik Baboumian:
Richtig. Sechs Jahre später habe ich dann den konsequenten, weiteren Schritt gemacht. Ich habe mir immer wieder gesagt: „Wenn meine Motivation, ist, Tierleid zu vermeiden, dann reicht es einfach nicht, Vegetarier zu sein. Wenn ich mir anschaue, was in der Milchindustrie und in der Geflügelindustrie mit Eiern und mit den Tieren dort passiert, dann muss ich das aus meinem Leben streichen.“

Ich bin dann vegan geworden. Meine Frau wurde kurze Zeit später auch vegetarisch und dann vegan. Meine Mutter ist dann auch noch mit dazukommen und letztendlich die ganze Familie. Wir haben angefangen, uns vegan zu ernähren und haben dann Schritt für Schritt unser ganzes Leben veganisiert.

boutique vegan:
Klasse! Du bist ein sehr disziplinierter Mensch, oder? Das was du dir in den Kopf setzt, ziehst du durch: das ist beim Sport so, das war bei deiner Ernährung so und bei vielen zentralen Entscheidungen sowie Wendepunkten in deinem Leben. Ist das ein Teil deiner Persönlichkeit?

Patrik Baboumian:
Also, das Witzige ist eigentlich, dass ich ein total undisziplinierter Mensch bin. Ich bin aber konsequent! Zwar bin ich auch faul, aber ich habe eine sehr starke Willenskraft. Das heißt, wenn ich mir ein Ziel in den Kopf gesetzt habe, dann setzt sich alles wie von selbst in Gang: Ich mache mir meist, ziemlich tiefgehende Gedanken, warum ich das will, was ich will. Dann ist meist eigentlich schon so viel Motivation dahinter, dass es mir relativ leichtfällt, das umzusetzen – auch wenn es eigentlich viel Energie erfordert. Aber davon abgesehen, bin ich im Alltag sehr undiszipliniert. (lacht)

boutique vegan:
Um eine Waschmaschine zu werfen oder ein Flugzeug hinter sich herzuziehen, ist da auch viel Willenskraft nötig oder ist das reine physische Kraft?

Patrik Baboumian:
Physische Kraft funktioniert einfach ohne das Oberstübchen nicht! Ich kann letztendlich so stark sein, wie ich möchte: Ich werde mit meinem Körper nichts anfangen können, wenn ich nicht weiß wie ich meine Energie zielgerichtet einsetzen kann. Das heißt, mentale Stärke kommt immer vor der physischen Stärke.

Jetzt kann es natürlich sein, dass man bereits begnadet als Obelix auf die Welt kommt, das war bei mir aber nicht der Fall. Ich war eher schmächtig. Den Körper, den ich heute habe, habe ich mir mühsam aufgebaut. Mit einer ganz normalen Genetik und viel Fleißarbeit. Bei mir war es zum Beispiel so, dass ich mich ganz vertieft mit Trainingslehre und Ernährung auseinandergesetzt habe, bevor ich überhaupt meine ersten Hanteln angefasst habe. Das war als ich 14 war, kurz bevor ich mit dem Training angefangen habe und da habe ich schon sehr viele Bodybuilder-Zeitschriften gelesen. In den 20 Jahren, in denen ich im Kraftsport aktiv bin, habe ich eigentlich immer versucht, mein Wissen zu erweitern und mich fortzubilden.

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boutique vegan:
Wie sollten wir uns denn ernähren, um unsere Energie optimal einzusetzen? Hast du irgendeinen Tipp, um kraftvoll in den Tag zu starten?

Patrik Baboumian:
Es gibt kein Patentrezept. Jeder muss seine Lösung finden. Bei mir ist es unterschiedlich. Morgens nach dem Aufstehen bin ich in der Regel noch gar nicht so hungrig. Meine erste Mahlzeit ist meist flüssig und besteht aus einem Smoothie. Das führt dazu, dass ich meinem Körper recht schnell viele Vitamine und Enzyme geben kann, um gut in den Tag zu starten.

Dann später, relativ früh kommt dann meine erste warme Mahlzeit. Das Mittagessen. Das heißt, das klassische, reichhaltige Frühstück gibt’s so nicht bei mir. Es sei denn, ich bin gerade in einer Phase, wo das Training gerade nicht wichtig ist. Dann schockiere ich schon fast meine Frau, wenn ich auf einmal Brötchen hole und mit ihr ein richtiges klassisches Frühstück habe.

boutique vegan:
Was rätst du Menschen, die aktiv im Kraftsport einsteigen möchten?

Patrik Baboumian:
Wichtig ist, dass man sich viel Wissen aneignet und sich selber damit auseinandersetzt. Das ist der erste Schritt. Für die Menschen, die Kraftsport machen und vegan sind oder werden wollen oder sich für diese Materie interessieren, habe ich mein erstes Buch „Vegan ganz anders“ geschrieben. Ich hatte mir den Markt genauer angeschaut und die Idee war dann, genau für diese Zielgruppe ein Buch zu schreiben. Denn ich hatte das Gefühl, dass vegan als Allheilmittel für Schlanksein angepriesen wurde. Aber es gibt viele Menschen, gerade im Sportbereich, die gar nicht schlank werden wollen. Moses P [Moses Pelham] etwa ist ein prominenter Leser meines Buches, als er von vegetarisch auf vegan umgestiegen ist.

Darüber hinaus ist das Buch geeignet für jeden, der gerne lecker isst. Die Rezepte sind keine ausgedachten Kreationen, sondern genau das, was wir (ich und meine Frau) zuhause essen. Zu der Zeit als ich das Buch geschrieben habe, war mein oberstes Ziel, Masse aufzubauen. Dementsprechend deftig sind die Rezepte. Also wer das mag, mag auch „Vegan ganz anders“.

boutique vegan:
Isst das denn deine Frau auch?

Patrik Baboumian:
Ja, aber anders dosiert. Von Kathy stammen die meisten Rezepte. Wir haben das Buch zusammen kreiert. Es gibt einen guten Einblick in die Küche der Baboumians. (lacht) Dort steht genau das drin, was wir zuhause essen, mit Lieblingsspeisen und ein paar Smoothies von mir …

boutique vegan:
Wir haben gehört, dass du eigentlich nicht gerne Obst und Gemüse isst. Wahrheit oder Gerücht?

Patrik Baboumian:
(lacht) Nein, das ist tatsächlich richtig. Wobei: Obst geht noch, aber bei Gemüse bin ich wirklich schwierig. Das muss Kathy mir unterjubeln und schmackhaft machen. Püriert geht es am besten. Ich habe ein Faible für Smoothie und versuche, Obst und Gemüse und so lauter Grünzeug in dieser Form zu mir zunehmen.

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boutique vegan:
Du sagtest eben, dass du dir viel Wissen zur „richtigen Ernährung“ über Zeitschriften angeeignet hast.

Als du dann vegan geworden bist, hattest du auch erst einmal Angst, dass du nicht mehr mithalten kannst – ein leider verbreitetes Klischee bezüglich der veganen Ernährung. Dann stellte sich natürlich heraus, dass diese Angst unbegründet war. Kannst du uns etwas dazu erzählen?

Patrik Baboumian:
Die Problematik war, dass ich die Entscheidung vegetarisch und dann vegan zu werden auf ethischen Grundsätzen aufgebaut habe. In beiden Fällen war ich überzeugt, dass das mit dem Kraftsport nicht funktionieren kann. Als ich Vegetarier geworden bin, war es leichter, weil die Priorität zu diesem Zeitpunkt auf meiner Ausbildung lag und Training zweite Geige war. Als ich dann Veganer war, war ich allerdings auf dem Höhepunkt der Karriere: Ich hatte sämtliche Titel gewonnen, bin in gruseligen TV-Shows aufgetreten (zwinkert) und stand quasi voll im Rampenlicht.

Meine Idee im Hinterkopf war damals schon, dass ich meine Bekanntheit nutze, um für Veganismus zu werben. Nur hatte ich noch nicht genügend Erfahrungen und ich hatte Angst, dass ich es falsch mache, der Schuss nach hinten los geht und alle dabei zusehen wie ich scheitere. Deswegen habe ich die Entscheidung zwar im Juli getroffen, aber erst im Dezember konsequent umgesetzt, um mich nochmal intensiv vorbereiten zu können. Zum 1. Dezember 2011 war ich dann offiziell vegan.

boutique vegan:
Welchen Stand hat vegane Ernährung heute im Kraftsport? Gibt es dort heute mehr Offenheit, vielleicht auch dank deines Engagements und deiner Erfolge?

Patrik Baboumian:
Es hat sich definitiv in den letzten sechs Jahren etwas getan. Als ich vegan geworden bin, war es ein absolutes Unding, vegan zu sein und Kraftsport zu machen. Was aber auffällt ist, dass junge Athleten sehr, sehr offen sind und man da die Menschen relativ schnell dazu bringen kann, umzudenken. Die älteren Athleten, die schon sehr lange in der Szene drin sind, sind so indoktriniert, dass man auf Granit beißt. Wenn jemand seit 10 Jahren die Gehirnwäsche von der Fitnessindustrie hinter sich hat, der tut sich schwer mit Umdenken und Veränderung.

Wenn ich „Gehirnwäsche“ sage, dann klingt das zwar überzogen, aber ich habe eine Anekdote, die es auf den Punkt bringt. Zu Beginn meiner Vegan-Jahre wollte ich zusammen mit PETA eine Pro-Vegan- Medienkampagne machen. Wir wollten dafür auch ein Sportmagazin an Bord holen. Die Antwort des Chefredakteurs lautete „Nein“, was an und für sich nicht das Problem war. Das Problem war die Begründung: „Wir haben seit Jahren eine auf Fisch und Fleisch basierende Ernährung proklamiert und da passt das nicht rein“. Als ich nachgefragt habe, ob er denn einfach die Realität ignorieren wollte, kam keine Antwort mehr. Diese Anekdote zeigt das Problem: Die Zeitschrift hatte 25 Tausend Abonnenten, d. h. 25 Tausend Menschen im deutschsprachigen Raum, die diese Zeitung regelmäßig lesen und denken, es gibt nur das. Es ist einfach verdammt hart, diese Menschen zu überzeugen, dass außerhalb ihres Radius, ihrer Scheuklappen, eine andere Welt existiert.

boutique vegan:
Das sollte sich trotzdem geändert haben: Deine sportlichen Leistungen sind gewachsen, seitdem du vegan bist. Sind Tofu, Seitan und Tempeh in der Szene zur legalen „Wunderwaffe“ avanciert?

Patrik Baboumian:
Vielleicht nicht gleich zur „Wunderwaffe“, aber ein Umdenken ist deutlich erkennbar, gerade unter jungen Menschen, die in einem anderen Kontext aufwachsen. Ich kann es nicht mit Sicherheit beziffern, aber das was ich online, unter Youtubern so mitbekomme, sind etwa 40 % aus der Szene vegan. Und das sind auch Leute, die noch vor zwei, drei Jahren gesagt haben: „Das ist unmöglich und das würde ich nie machen.“. Heute sind sie Aktivisten. Das finde ich total witzig. Ein bisschen wie die Wandlung von Saulus zu Paulus.

boutique vegan:
Ja, und da ist auch wieder dieser vermeintliche Widerspruch: Kraft haben und sich pflanzlich ernähren – das passt für viele einfach immer noch nicht zusammen. Obwohl die Tierwelt (inklusive Menschen) dies klar widerlegt und klar aufzeigt, dass es möglich ist.

Wie erklärst du dir das als Psychologe? War das Erforschen von menschlichen Verhaltensmustern ein Grund dafür, Psychologie zu studieren?

Patrik Baboumian:
Nein, überhaupt nicht. Klar interessiert mich die Funktionsweise von Menschen, aber am naheliegendsten wäre ja gewesen, Sport zu studieren. Doch das wollte ich nicht. Mit meinem Studium wollte ich vor allem auch meinen Horizont erweitern und gerade aus der Branche ausreißen, wo ich seit Jahren drinsteckte. Ich hatte mich seit Jahren mit menschlichen Körper beschäftigt, nun wollte ich den menschlichen Geist besser erforschen.

Ansonsten zu dem Denken der Menschen: Menschen sind ja bekanntlich Gewohnheitstiere, scheuen sich vor Veränderung und bleiben gerne in ihrer Komfortzone. Warum sollte man also etwas ändern, was bislang immer gut geklappt hat? – Das ist Urpsychologie.

boutique vegan:
Gibt es ein Tier, das dich besonders fasziniert?

Patrik Baboumian:
Affen, weil sie uns sehr ähnlich sind. Und, weil sie auch eine Brückenfunktion einnehmen, da – wie ich ja schon anfangs angedeutet haben – wir Menschen uns als Spezies immer etwas abseits der Tierwelt sehen und Affen erinnern uns eben daran, dass wir Teil des Ökosystems sind – und wir eine große Familie sind. Das klingt jetzt etwas abenteuerlich (lacht), aber so empfinde ich das.

 

Wir danken Patrik für dieses Interview!

 

Patrik Baboumians Website:
http://www.veganbadass.com

 

Bildquelle:
Patrik Baboumian

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